Wir haben es bis Alesund geschafft!

Alesund Airport (8 Uhr morgens)

Wir mussten früh aufstehen. Um 9:00 Uhr geht unser Flug.

Kiki hatte den nach ihrer Aussage frühesten Putzeinsatz ihres Lebens. Alle sind müde, gestern Abend haben wir lange im Cockpit gesessen und den warmen Abend genossen, direkt in der Altstadt von Alesund, die am Tage für alle ein Shoppingparadies für die gesamte Crew geliefert hat.

Die letzten Tage:

Die letzten Tage sind wie im Fluge vergangen. Von den angesagten zwei Regentagen haben wir nicht viel mitbekommen.  Statt dessen Sonne satt, T-Shirt Wetter Ende August in Mittelnorwegen. Dazu angenehme Badetemperaturen von 14°C.

Das verleitet die Crew zu einem mitternächtlichen Bad bei Meeresleuchten. Da wir an jenem Abend unseren letzten Ankerstopp vor der Wiedereingliederung in die Zivilisation genossen, war uns vollkommene Dunkelheit vergönnt, die dieses Spektakel besonders gut zur Geltung brachte.

Villa Havn ist ein Paradies, ein schmaler Sund mit steilem Ufer als natürlicher Hafen, eine Hand voll Fischerhäuser (jetzt nur noch als Ferienhäuser genutzt), eine Tranerei aus Walfangzeiten und der historische Leuchtturm, einer der ältesten Europas. Von dort oder dem 80 m hohen Inselberg hat man einen herrlichen Blick über die Inseln der Schärengruppe. Nur LUNA ist bis auf die Mastspitze von Felsen verdeckt. Eigentlich müsste man ein paar Tage hier bleiben und in Ruhe die Inseln erkunden, weiter Muscheln suchen, Angeln und alle Blau- und Preiselbeeren ernten.

Aber wir starten im Morgengrauen, es fehlt wie üblich der Wind. Die Blaubeerpfannkuchen sind dafür wieder lecker.

Flaute vor TrondheimEs wird ein langer Tag, nicht ein Windhauch stellt uns vor die Entscheidung “segeln oder nicht”. Abends erreichen wir nach 13 Stunden Motoren und 76,5 zurückgelegten Seemeilen den Trondheimfjord. Und landen am Schwimmsteg einer nach etwas veralteten Informationen kleinen Marina in reizvoller Umgebung. Ein Steg und eine Halle sowie Campingplatz sind neu dazu gekommen. Niclas und Kyara freuen sich über gute Kescherbedingungen  am Strand, Susanne entsorgt begeistert unsere Müllsammlung der letzten Tage und Kiki und Eshana genießen die heiße Dusche. Und der am Steg gesichtete etwas größere Fisch ist dann doch ein kleiner Hai! Uli badet am nächsten Morgen trotzdem.

Ablegen wieder morgens um 6 Uhr, Sonne und Flaute. Nach einer guten Stunde können wir unser Glück nicht fassen. Eine leichte Brise füllt Genua und Groß. Am Abend haben wir immerhin die Hälfte der Tagesstrecke segelnd zurückgelegt. Ab Abend ist für zwei Tage Regen angesagt. Wir machen am Schwimmsteg des geschlossenen Hotels Ringholmen fest. Im Sommer muss hier vor Kristianssund der Teufel los sein. Ein einziger Wochenendgast bewohnt noch ein Apartment. Der dunkle regenverhangene Himmel sorgt für eine gruselige Atmosphäre. Trotzdem brechen die Kids mit Taschenlampen und Begleitung zu einer Nachtwanderung auf. Im Haus ist Licht, wir erkunden fleißig und finden keine Menschenseele. Hier müssen auch wieder Trolle tätig gewesen sein. Beim “Land unter” Kartenspiel ist es in der Kajüte auch gemütlich und kaum noch gruselig.

Mitbringsel zu sammeln gibt es hier aber auch, Pinocchio, Fischerkugeln, Holzplanken (aus Platzmangel doch nicht  mitgenommen, Susanne ist vernünftig). Die große Schaukel lassen wir auch stehen.

Nach den Regenböen in der Nacht  lockert die Bewölkung wieder auf und es folgt: Flaute, was auch sonst. Nach einer Weile dann doch schöner Wind von achtern, etwas Schwell. Aber die Bedingungen sind so ruhig, dass wir die Innenfahrwasser ab Kvitholmen fahren können. Zickzackurs zwischen den Steinen. Der sich brechende Schwell erleichtert die Ortung der Steine und sieht gut aus.

SegelwindAb Bud verlassen wir dann endgültig unbewohnte Landschaften. Die Küste ist hier recht flach und entsprechend jeder Flecken besiedelt. Eine Einstimmung auf die Rückkehr ins Leben zu Hause. Susanne und Uli finden es ätzend. Die Versuchung ist groß wieder Kurs Nord zu laufen. Aber unser Flieger geht.

Kurz vor Alesund stehen dann noch einige Schwierigkeiten vor der LUNA.  Es gilt einflaches Gebiet zu durchfahren. Blöderweise sind dort gerade Arbeitsschiffe am Werk, sodass die Betonnung nicht zu sehen ist. Während die Kinder fleißig das Schlauchboot putzen, nehmen Uli und Susanne das Großsegel runter, dass nach diesem langen Törn mittlerweile vollkommen ohne Segellatten auskommen muss. Bei den Vermessungen für Ersatzteile fliegt Uli der Zollstock über Bord und es wird ein stockend eingeleitetes Mann-über-Bord-Manöver durchgeführt. Kurz darauf, nachdem der Verlorene sicher geborgen werden konnte, fällt beim Bilge putzen eine Bodenmatte über Bord. Dieser kann leider nicht mehr geholfen werden – sie sinkt. Die Bilge wird weiter vom Bier-Wasser-Dreck Gemisch gereinigt, denn die Bierdosen haben Löcher bekommen und suppen aus. Einereignisreicher Tag. Im angesteuerten Hafen vor Alesund gibt es für die LUNA keinen Platz, also fahren wir weiter in Richtung Cityhafen. Die Putzaktion findet ein jähes Ende, als wir in Alesund anlegen. Sie sollte am Dienstagnachmittag fortgesetzt werden. Bis dahin stehen diverse Shoppingtouren, Essen gehen und ausschlafen auf dem Programm. Die Disko direkt am Liegeplatz macht leider nicht auf, Winterschlaf unter der Woche.

Alesund war ursprünglich eine hauptsächlich aus Holzhäusern bestehende Stadt. 1920 ist sie fast vollständig niedergebrannt. Sie wurde mit Steinhäusern im Jugendstil wieder aufgebaut. Kaiser Friedrich Wilhelm hat die Stadt dabei unterstützt und dieAufbauhilfe ist hier immer noch in guter Erinnerung.

Trotz morgendlichem Regen laufen Uli, Kiki und die Kids bis zur Aussichtsplattform auf einem hohen Berg, während der Rest der Crew Häuser ausspioniert.

AlesundDas Wetter ist abgesehen von wenigen Regenschauern warm und sonnig. DieStraßencafes  sind bevölkert. Dienstag überschwemmt eine Ladung Kreuzfahrer fortgeschrittenen Alters die Stadt.  Das ist der wahre Grusel. Uli verschwindet den Rest des Tages zur Entspannung in der Backskisten und im Motorraum. Ruß- und Ölmaniküre  für die Pfoten muss ja auch nochmal sein. Kiki und Eshana spielen Schwestern und reichen “Tupfer”. Insgesamt erntet die LUNA an diesem Tag interessierte Blicke. Unter anderem von einem netten belgischen Segler, dessen vergessenen Fender aus Tromsö er von uns wiederbekommt – alte Bekannte also. Außerdem erhaschen wir noch Blick auf Models, die sich mit wild wehenden Haaren aufeinem Touri- Ausflugsboot in Pose stellen. Kameraleute und hoch beschäftigte Anhänger flitzen durch den gesamten Hafen.

Abends zaubert Susanne mit Trollunterstützung ein leckeres Resteessen und wir sitzennoch ewig im Cockpit, siehe oben.

 

Eshana und Uli

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