Wir haben es bis Alesund geschafft!

Alesund Airport (8 Uhr morgens)

Wir mussten früh aufstehen. Um 9:00 Uhr geht unser Flug.

Kiki hatte den nach ihrer Aussage frühesten Putzeinsatz ihres Lebens. Alle sind müde, gestern Abend haben wir lange im Cockpit gesessen und den warmen Abend genossen, direkt in der Altstadt von Alesund, die am Tage für alle ein Shoppingparadies für die gesamte Crew geliefert hat.

Die letzten Tage:

Die letzten Tage sind wie im Fluge vergangen. Von den angesagten zwei Regentagen haben wir nicht viel mitbekommen.  Statt dessen Sonne satt, T-Shirt Wetter Ende August in Mittelnorwegen. Dazu angenehme Badetemperaturen von 14°C.

Das verleitet die Crew zu einem mitternächtlichen Bad bei Meeresleuchten. Da wir an jenem Abend unseren letzten Ankerstopp vor der Wiedereingliederung in die Zivilisation genossen, war uns vollkommene Dunkelheit vergönnt, die dieses Spektakel besonders gut zur Geltung brachte.

Villa Havn ist ein Paradies, ein schmaler Sund mit steilem Ufer als natürlicher Hafen, eine Hand voll Fischerhäuser (jetzt nur noch als Ferienhäuser genutzt), eine Tranerei aus Walfangzeiten und der historische Leuchtturm, einer der ältesten Europas. Von dort oder dem 80 m hohen Inselberg hat man einen herrlichen Blick über die Inseln der Schärengruppe. Nur LUNA ist bis auf die Mastspitze von Felsen verdeckt. Eigentlich müsste man ein paar Tage hier bleiben und in Ruhe die Inseln erkunden, weiter Muscheln suchen, Angeln und alle Blau- und Preiselbeeren ernten.

Aber wir starten im Morgengrauen, es fehlt wie üblich der Wind. Die Blaubeerpfannkuchen sind dafür wieder lecker.

Flaute vor TrondheimEs wird ein langer Tag, nicht ein Windhauch stellt uns vor die Entscheidung “segeln oder nicht”. Abends erreichen wir nach 13 Stunden Motoren und 76,5 zurückgelegten Seemeilen den Trondheimfjord. Und landen am Schwimmsteg einer nach etwas veralteten Informationen kleinen Marina in reizvoller Umgebung. Ein Steg und eine Halle sowie Campingplatz sind neu dazu gekommen. Niclas und Kyara freuen sich über gute Kescherbedingungen  am Strand, Susanne entsorgt begeistert unsere Müllsammlung der letzten Tage und Kiki und Eshana genießen die heiße Dusche. Und der am Steg gesichtete etwas größere Fisch ist dann doch ein kleiner Hai! Uli badet am nächsten Morgen trotzdem.

Ablegen wieder morgens um 6 Uhr, Sonne und Flaute. Nach einer guten Stunde können wir unser Glück nicht fassen. Eine leichte Brise füllt Genua und Groß. Am Abend haben wir immerhin die Hälfte der Tagesstrecke segelnd zurückgelegt. Ab Abend ist für zwei Tage Regen angesagt. Wir machen am Schwimmsteg des geschlossenen Hotels Ringholmen fest. Im Sommer muss hier vor Kristianssund der Teufel los sein. Ein einziger Wochenendgast bewohnt noch ein Apartment. Der dunkle regenverhangene Himmel sorgt für eine gruselige Atmosphäre. Trotzdem brechen die Kids mit Taschenlampen und Begleitung zu einer Nachtwanderung auf. Im Haus ist Licht, wir erkunden fleißig und finden keine Menschenseele. Hier müssen auch wieder Trolle tätig gewesen sein. Beim “Land unter” Kartenspiel ist es in der Kajüte auch gemütlich und kaum noch gruselig.

Mitbringsel zu sammeln gibt es hier aber auch, Pinocchio, Fischerkugeln, Holzplanken (aus Platzmangel doch nicht  mitgenommen, Susanne ist vernünftig). Die große Schaukel lassen wir auch stehen.

Nach den Regenböen in der Nacht  lockert die Bewölkung wieder auf und es folgt: Flaute, was auch sonst. Nach einer Weile dann doch schöner Wind von achtern, etwas Schwell. Aber die Bedingungen sind so ruhig, dass wir die Innenfahrwasser ab Kvitholmen fahren können. Zickzackurs zwischen den Steinen. Der sich brechende Schwell erleichtert die Ortung der Steine und sieht gut aus.

SegelwindAb Bud verlassen wir dann endgültig unbewohnte Landschaften. Die Küste ist hier recht flach und entsprechend jeder Flecken besiedelt. Eine Einstimmung auf die Rückkehr ins Leben zu Hause. Susanne und Uli finden es ätzend. Die Versuchung ist groß wieder Kurs Nord zu laufen. Aber unser Flieger geht.

Kurz vor Alesund stehen dann noch einige Schwierigkeiten vor der LUNA.  Es gilt einflaches Gebiet zu durchfahren. Blöderweise sind dort gerade Arbeitsschiffe am Werk, sodass die Betonnung nicht zu sehen ist. Während die Kinder fleißig das Schlauchboot putzen, nehmen Uli und Susanne das Großsegel runter, dass nach diesem langen Törn mittlerweile vollkommen ohne Segellatten auskommen muss. Bei den Vermessungen für Ersatzteile fliegt Uli der Zollstock über Bord und es wird ein stockend eingeleitetes Mann-über-Bord-Manöver durchgeführt. Kurz darauf, nachdem der Verlorene sicher geborgen werden konnte, fällt beim Bilge putzen eine Bodenmatte über Bord. Dieser kann leider nicht mehr geholfen werden – sie sinkt. Die Bilge wird weiter vom Bier-Wasser-Dreck Gemisch gereinigt, denn die Bierdosen haben Löcher bekommen und suppen aus. Einereignisreicher Tag. Im angesteuerten Hafen vor Alesund gibt es für die LUNA keinen Platz, also fahren wir weiter in Richtung Cityhafen. Die Putzaktion findet ein jähes Ende, als wir in Alesund anlegen. Sie sollte am Dienstagnachmittag fortgesetzt werden. Bis dahin stehen diverse Shoppingtouren, Essen gehen und ausschlafen auf dem Programm. Die Disko direkt am Liegeplatz macht leider nicht auf, Winterschlaf unter der Woche.

Alesund war ursprünglich eine hauptsächlich aus Holzhäusern bestehende Stadt. 1920 ist sie fast vollständig niedergebrannt. Sie wurde mit Steinhäusern im Jugendstil wieder aufgebaut. Kaiser Friedrich Wilhelm hat die Stadt dabei unterstützt und dieAufbauhilfe ist hier immer noch in guter Erinnerung.

Trotz morgendlichem Regen laufen Uli, Kiki und die Kids bis zur Aussichtsplattform auf einem hohen Berg, während der Rest der Crew Häuser ausspioniert.

AlesundDas Wetter ist abgesehen von wenigen Regenschauern warm und sonnig. DieStraßencafes  sind bevölkert. Dienstag überschwemmt eine Ladung Kreuzfahrer fortgeschrittenen Alters die Stadt.  Das ist der wahre Grusel. Uli verschwindet den Rest des Tages zur Entspannung in der Backskisten und im Motorraum. Ruß- und Ölmaniküre  für die Pfoten muss ja auch nochmal sein. Kiki und Eshana spielen Schwestern und reichen “Tupfer”. Insgesamt erntet die LUNA an diesem Tag interessierte Blicke. Unter anderem von einem netten belgischen Segler, dessen vergessenen Fender aus Tromsö er von uns wiederbekommt – alte Bekannte also. Außerdem erhaschen wir noch Blick auf Models, die sich mit wild wehenden Haaren aufeinem Touri- Ausflugsboot in Pose stellen. Kameraleute und hoch beschäftigte Anhänger flitzen durch den gesamten Hafen.

Abends zaubert Susanne mit Trollunterstützung ein leckeres Resteessen und wir sitzennoch ewig im Cockpit, siehe oben.

 

Eshana und Uli

weiter geht’s

Montag, 20.08.
Nach dem Stop in zivilisierter Gegend kam es uns wieder gelegen, eine abgeschiedene Bucht zu besuchen. Noch dazu warteten dort alte Wikingergraeber und ein verlassenes Dorf auf uns. Für die Kids gab es Schafe – highlight eines jeden Anlegeplatzes. Im Anschluss an eine Tagestour unter Motor und Sonne wird (mal wieder) der frisch gefangene Fisch gekocht. Varianten gibt es dank Uli viele und selbst wenn es stets die selben Beilagen gäbe – für so frischen und leckeren Fisch tut man doch einiges.

Dienstag, 21.08.
Auch am nächsten Tag ist segeltechnisch nicht viel zu holen. Wetter ist wechselnd, doch je näher Broennoeysund kommt, desto klarer wird der Himmel. Nachdem wir uns durch das Fahrwasser vor der “Großstadt” manövriert haben, sind wir wie erschlagen von all den Lichtern, Geschaeften, Häusern und Leuten. Nebenbei wird bemerkt, dass dieser Stop recht gelegen kommt, denn nicht nur Diesel und Wasser müssen aufgefüllt werden, sondern auch Lebensmittel fehlen. Nachdem wir durch das Shoppingcenter geschlendert sind, starten wir einen neuerlichen Grosseinkauf. Ein Restaurant konnte auch ausfindig gemacht werden und so blieb uns der Abwasch erspart.

Mittwoch, 22.08.
Am naechsten Morgen wurde groß geduscht und klar Schiff gemacht, um nach der Ankunft der Shoppingsüchtigen bunkern zu fahren. Nach ein paar Ehrenrunden vor dem Schwimmsteg wird uns Platz zum Anlegen gemacht, doch damit sollte mit Problemen nicht genug sein. So ein Tankautomat ist dann doch wesentlich komplizierter als gedacht und so muss der Hafenmeister zu Rate gezogen werden. So kommen wir erst gegen 13:00 Uhr aus dem Hafen und nehmen Kurs auf einen recht wundersamen Berg mit fantasievoller Geschichte – Torhatten. Ein Berg wie ein Hut, mit einem Loch, hoch wie 17 Maenner… Anschliessend kann dann doch auf nur motoren verzichtet werden und wir setzten das Großsegel. Zuegig kommen wir bis zur Insel Leka voran, an der uns eine schoene Ankerbucht erwartet. Auf dem Weg passieren wir einen recht engen Sund. Alternativ zum Hauptfahrwasser, wesentlich komplizierter zu durchfahren, ein wenig nervenzehrend für die Steuerfrau und doch – lohnenswert. Eine malerische Kulisse mit fast tuerkisfarbenem Wasser und flachen, steinigen Inseln bietet sich uns bei strahlendem Sonnenschein. Angekommen bestreiten Uli, Susanne und die Kinder einen Landgang der viel mit runden Steinen zu tun hat. Während dessen probiert sich der Rest der Crew am Abendessen.

Donnerstag 23.8.
Der naechste Tag ist wesentlich mehrversprechend, denn es herrscht herrlicher Segelwind. Mit Genua und Groß strotzen wir in Richtung Villa Havn, einer Schaerengruppe. Nach einem frueh gestarteten Segeltag goennen wir uns und den Kindern einen Nachmittag an Land. Hier steht ein alter Leuchtturm, Kohlefeuer betrieben. Wir picknicken am Turm und geniessen die Aussicht.

Leuchtfeuer Villa

Susanne betont, dass sie mit mit Eshana den ueber 100 m Berg bestiegen hat. Kiki und Kyara hattenb kurz vor dem Gipfel aufgegeben. Uli und Niclas haben es erst garnicht versucht. Immer noch ist jeder Lieglatz so schoen, dass wir bleiben wollen.

von Eshana

Trollfjord und Stora Molla

Trollfjord
Dann sind wir noch in den Trollfjord gefahren und Uli hat den Bug unter einen Wasserfall gefahren. Kyara, Eshana, Mama (Kiki), Susanne und Niclas sind zum Bug gegangen und wir haben unsere Haare gewaschen. Danach haben wir an einem Steg festgemacht und Kyara und Niclas sind an Land gegangen. Kyara ist von einem Stein abgerutscht, ins Wasser gefallen und hat sich dabei das Knie angeratscht. Niclas und Mama sind auf einen Berg geklettert. Mama hat in die Spucke von einem komischen Tier gefasst und fand das dolle ekelig. Auf dem Rueckweg hat Niclas noch eine Ziege gesehen.

Mama, Eshana und Niclas haben gebadet. Niclas und Mama sind mit ihren Angeln und dem Beiboot in die Mitte des Fjordes gefahren und haben geangelt. Ploetzlich haben sie einen Delphin ganz dicht am Beiboot gesehen. Niclas hat schnell seine Angel eingeholt, da er Angst hatte, dass der Delphin an die Angel beisst. Mama hat ihre Angel ganz regungslos im Wasser gelassen. Als der Delphin wieder draussen war, hat Niclas seine Angel auch wieder ausgeworfen. Beide hatten wir ziemlich grosse Makrelen an den Angeln. Niclas Makrele hat so dolle gezogen, dass er sie fast nicht herausgezogen bekommen hat. Dann sind wir beide mit dem Beiboot zurueck zur LUNA gefahren und Uli hat die Fische umngebracht und ausgenommen.
Die Nacht haben wir im Trollfjord verbracht.

Stora Molla
Wir sind alle ausser Uli an Land gerudert. Susanne ist zu einer Ruine gegangen und Kyara, Mama, Eshane und Niclas sind einmal um die Bucht gewandert. Kyara und Niclas haben je einen Wanderstock gefunden und dann sind alle auf einen Berg geklettert. Fuer Kyara war  das Klettern schwer, fuer Niclas mit Wanderstock leicht. Oben auf dem Berg haben wir ein Picknick mit Suessigkeiten gemacht. Niclas ist beim Abstieg eine steile Klippe heruntergerutscht und hat seinen Wanderstock dabei verloren. Er hat seinen Wanderstock wiedergeholt  und der Abstieg konnte fortgesetzt werden. Dabei haben wir Moltebeeren gefunden und sie gesammelt. Alle mussten einen Keks essen, damit die Moltebeeren in der leeren Packung transportiert werden konnten. Auf dem Rueckweg haben wir noch einen grossen Fender gefunden. Niclas hat ihn mit lautem Scheppern und unter grossen Muehen die Kueste lang geschleppt. Kyara, Eshana und Niclas sind zurueck zur LUNA gerudert und haben Uli die Geschenke uebergeben. Uli hat sich riesig gefreut. Susanne und Niclas haben Mama noch abgeholt. Danach sind wir zur LUNA zurueckgefahren und der Fender hat eine neue Leine bekommen und ist jetzt am Heck festgebunden.

Danach haben wir eine lange Nachtfahrt gemacht. Wir sind um 16:00 Uhr losgefahren und am naechsten Tag um 19 Uhr angekommen. Zuerst mussten wir motoren, weil kein Wind war. Danach konnten wir mit dem Blister segeln. Der Blister sieht schoen aus. Niclas und Kyara wurde ein bisschen uebel, wegen dem Seegang. Mama hat Uli ueberredet den Kindern zuliebe naeher an die Kueste zu fahren. Widerwillig hat Uli den Kurs geaendert. Danach durften Kyara und Niclas in Schlafsaecken eingekuschelt im Cockpit schlafen. Susanne hat die Kinderpakete mit Leinen gesichert. Kyara hat die ganze Nacht tief und fest geschlafen, Niclas ist irgendwann in die Koje gegangen. Dort ist er ganz schnell eingeschlafen, weil es warm und gemuetlich war.

Nach dem Ausschlafen gab es Ruehreier und Speck. Wir sind bei Sonne ganz gemuetlich durch die Schaeren gesegelt. Uli war auch zufrieden, weil wir endlich mal wieder segeln konnten. Wir sind zu einem schoenen Dorf auf einer Insel (Svelvaer) gefahren. Wir mussten ganz dolle aufpassen weil ueberall Steine herumlagen. Manchmal sind wir extra langsamer gefahren, eine Stelle  zwischen zwei Inseln war ganz eng. Im Hafen haben wir an einem Schwimmsteg angelegt und wir haben gekeschert. Wir haben ganz viele Babyfische, einen Seeigel und einen Zeckenkrebs gefangen. Auf dem Steg lagen ganz viele Krebsbeine herum und am Ufer stand ein abgefackeltes Haus. Die Schafe durften ueber die ganze Insel laufen, auch ueber die Strassen. Alle gingen Gassi ausser Uli. Die war auf dem Schiff und hat den Sonntagsbraten gemacht. Es gab Rentierbraten mit Bohnen, Kartoffeln und Sosse. Zum Nachtisch gab es Yoghurt mit Moltebeeren. Das war alles ganz lecker. Niclas hat die Moltebeeren aber nicht probiert.

Kyara und Niclas durften ausnahmsweise noch kurz keschern. Dann mussten sie in die Koje. Heute Morgen hat Kyara noch eine riesige Feuerqualle gesehen, die sich mit den Nesseln in den Algen verfangen hat. Danach sind wir zum Dorfladen gegangen. Dort haben wir Milch, Batterien und Eis gekauft. Mama hat eine Schubladenspieluhr aufgemacht und dann kam Musik. Mama hat die Spieluhr nicht mehr zu bekommen. Eshana hat es dann mit Brutalitaet geschafft. Unterwegs waren wir noch bei der Schule und haben die Spielgeraete ausprobiert. Dann sind wir wieder zurueck zum Boot gegangen und haben abgelegt. Zwei/drei Stunden sind wir motort und haben einen Angelstopp gemacht. Da hat Niclas einen kleinen Koehler gefangen. Dann sind wir weiter gefahren und hoffen, dass Uli oder Niclas beim naechsten Stopp noch Fisch fangen.

von Kyara und Niclas

Lofoten

Ein Hafentag in Tromsö ist nicht viel. Crewwechsel mit Überlapp. Die Einen kommen, die Anderen gehen nach und nach. Die SY Orion ist so nett und kommt zum Abendessen vorbei. Es gibt wie immer viel zu erzählen. Die Weiterfahrt dann leider wieder bei Nebel. Den wolkenfreien Himmel kann man nur erahnen. Im Rystraumen haben wir zum Glück etwas Sicht. Der zweite Teil des Wetters ist auch wieder wie üblich: Flaute bzw. ein Hauch von Wind aus nördlichen Richtungen. Ab und zu reicht er für ein paar Segelmeilen.

Ankerbucht Klauva

Schön sind unsere Ankerbuchten bisher alle. In der ersten Bucht gibt es sogar eine Mooringboje für uns und einen Schwimmsteg zum Anlanden mit dem Dinghi. Grusselige verlassene und halb verfallene Häuser und ganz viele Muscheln und Schnecken am Strand. Für die Nacht geht noch eine kleine norwegegische Segelyacht mit vier gut Zwanzigjährigen längseits. Sie bestaunen unser Schiff und wir ihres: knapp 8 m, zwei Mountenbikes, Schlauchboot, Staufässer usw. an Bord. Ich bin in Gedanken gleich bei meiner ersten Tour als Skipper, 1989, mit der ähnlich grossen Moni 4. Wir waren 6 Personen bei fünf Kojen. Und ein Zelt sowie Surfbord mit mehreren Segeln musste ja auch dabei sein. Das war immer ein hin und her räumen. Viel Spass auf wenig Raum. Jetzt fühle ich mich alt auf unserer komfortablen und geräumigen LUNA. Und auch gleich wieder jung, als die Jungschen vom Nachbarschiff sich darüber wundern, dass bis auf Niclas nur Frauen an Bord sind.

Nach zwei Nebeltagen ist das Wetter wie erhofft auf der Südseite der Lofoten endlich besser. Gestern konnten wir alle Berge um uns herum sehen, die Sonne brennt, diverse Schichten an Klamotten werden abgelegt. Im Trollfjord geht die Crew sogar baden. Die Meisten freiwillig, teils im Salzwasser, teils am Wasserfall. Da es so schön ist bleiben wir die Nacht über im Trollfjord liegen. Niclas hat mehr als genug Fisch fürs Abendessen gefangen. Der einzige Nachteil des Liegeplatzes sind die Mücken. Seit Archangelsk hatten wir keine mehr an Bord. Jetzt geniessen wir gerade die Ruhe in einer meiner Lieblingsankerbuchten auf der Ostseite von Stora Molla.
Wieder etwas nebelig, es ist aber angenehm warm. Ich sehe die Sonne zwar nicht, sie wärmt aber trotzdem mein Gesicht. Die Kids sind mit Proviant auf Landgang und sammeln hoffentlich ein paar Blaubeeren. Und wie so häufig ist es hier so schön, dass man gerne ein paar Tage bleiben würde. Und das geht nicht nur mir so.

ULI

Norwegische Alpen – Tromsö

Montag der 13.8.

Nach einer tagelangem Schönwetterperiode zeigte sich der Himmel im freundlichen architektengrau. Wir ankern im Akkafjord vor einem Strand mit Düne und Blick auf die Berge der Außenküste von Soroya. Angeregt durch das starke Schwojen durch die Fallböen verließen wir morgens überraschend früh den Ankerplatz. Die Herren wurden aus ihrem tiefen Schlaf mit zarten Träumen gewerkt. Zu den zarten Grautönen gesellte sich ein erfrischender Nieselregen, der das Deck für kurze Zeit vom Salzwasser befreite.

Die Schmutzränder der Reling wurden an der Kreuz vom Seewasser gereinigt. Wir haben unseren sportlichen Tag. Nach 9 Stunden Kreuzen mit gefühlten 500 Wenden beendeten wir diesen schönen Segeltag mit einer weiteren Motorfahrt.

Helga möchte an dieser Stelle nicht erwähnt werden, da sie geschlackert hat. Die Mannschaft zeichnete sich durch leichte Unkonzentriertheiten aus. Die Männer zerbrachen eine Segellatte und Helga wies durch ihr unkonzentriertes Ruder gehen ausführlich darauf hin. Erstaunlicherweise lebt das Großsegel noch.

Die wunderschöne Ankerbucht mit  Wasserfall, Sandstrand, Insel und einsamen Gehöft wurde bei vier Leuten durch 80% der Mannschaft nur unzureichend gewürdigt. Der Sonntagsspaziergang fällt aus.

Wir motoren 66 Seemeilen weiter. FF (faule Fahrtensegler), die Entscheidung fällt bei spiegelglatter See ohne Windhauch leicht. So konnten wir uns auf die norwegische Alpenlandschaft konzentrieren. Abends dann endlich Landverbindung. Auf ausdrücklichen Wunsch einer gewissen Person, die hier nicht genannt werden möchte, wurde ein Hafen angelaufen. Die Suche nach einer Sauna und Dusche scheiterte um 23 Uhr dann schon an der fehlenden Landbevölkerung zur Kontaktaufnahme. Dafür konnte man im Cockpit sitzen und Rotwein trinken und am nächsten morgen  konnten wir erfolgreich die Steinvorräte auf der LUNA auffüllen. Satt imWasser liegend Motoren wir bei herrlichem Sonnenschein durch das norwegische Voralpenland Richtung Tromsö.

Jetzt sehen wir dichte Besiedlung und Autos.

Tromsö genießen wir bei Sonne und warmen Sommerwetter. Crewwechsel steht an.

LUNA-Crew

Nordkap

So ein Crewwechseltag ist schnell um. Die alte Crew ist früh abgereist, Fritz ist mit dem gleichen Flieger angekommen.

Wir besichtigen die vielfältigen kulturellen Errungenschaften von Vardoe (Festung, Pomorenmuseum, kunstvolle Andenken an die Hexen), sind begeistert von den zahlreichen Graffities.

Es gibt Diesel, Wasser, Waschmaschine und ganz wichtig: Duschen.

Nachdem wir für das Leben wieder fit waren, mussten wir leider feststellen, dass die Bürgersteige und Kneipen leider wieder zugeklappt waren. So blieb uns nichts anderes übrig als die Selbstkasteiung beim Segelnähen und Rotwein.

Nachdem das Segel so rot war wie der Wein und die Naht so gezackt wie die Küstenlinie der Fjorde, sind wir sanft durch das Schaukeln der LUNA entschlummert.

Um dann um 5:00 Uhr wieder aufzustehen und dann bei schönem Wind die Naht auf die Probe zu stellen. Gnadenlos rissen wir an Fall und Schoten, um die Streckgrenze der Naht zu testen. Zahlreiche grenzwertige Wenden nagten weiterhin am Flickwerk. Ohne Erfolg, die gestrige Arbeit hatte sich bewährt. Dermaßen erleichtert holten wir das Segel wieder ein und motorten den Rest der Strecke.

Nach einem Zwischenstopp in Gamvik erreichten wir Donnertag Abend pünktlich zum Sonnenuntergang das Nordkap. Fototermin für Touris bei totaler Flaute und gigantischer Abendsonne.

Nordkap

Leider konnte danach vom zahlreich stehenden Dorsch keine Flosse gesichtet werden. Dafür opferten wir diverse Köder und Bleigewichte. Entmutigt haben wir uns später über Auberginen und Reis hergemacht.

Unsere Ankerbucht direkt hinter dem echten Nordkap ist perfekt. Nach dem Abendessen ging die Sonne wieder auf. Helga konnte trotzdem überredet werden ins Bett zu gehen.

Ankerbucht

Der nächste Morgen: Statt warmer Dusche und Sauna traut sich der überwiegende Teil der Mannschaft im 7,8 Grad kaltem Wasser zu baden.

Eingeladen durch die weißen Sandstrände der Bucht mit türkisfarbigem Wasser und imposanter Bergwelt sind wir an Land angelandet. Völlig überrascht von der Sammelwut unserer Skipperin wurden wir zwangsverpflichtet, sämtliche Fischerkugeln (und das sind nicht wenige), Treibholz, Steine, Korallen und Rentiergeweihe zu zusammenzutragen. Angeregt durch die Polarexpeditionen von Amundsen und Scott mussten auch wir, aus logistischen Gründen, sogenannte Kugellager anlegen. Erst dann durften wir zur Bergbesteigung aufbrechen, auf der wir Rentiere und Seeadler sahen. Völlig durchgeschwitzt auf der 300 Meter hohen Klippe konnten wir den Blick über das Inselarchipel genießen.

Da die Bootslast des Schlauchbootes nicht ausreichte, transportierten wir die Kugellager in zwei Fuhren auf die LUNA. Noch ist Platz auf der LUNA und sie geht nicht unter.

Bei spiegelglatter See motoren wir jetzt schon seit Stunden durch die Insellandschaft. Ziel für heute Abend Soroya. Noch können wir uns nicht zwischen den verschiedenen Ankerplätzen entscheiden.

Tageswunsch Helga “Wanderung” erfüllt, Fritz “Wale sichten” hat nicht geklappt, Uli “Dorsch angeln” könnte noch klappen, Jürgen hat seinen vergessen.

Murmansk

Murmansk liegt nicht direkt an der Küste, sondern etwa 30 sm landeinwärts. Alle die dort waren schreiben und erzählen schreckliche Geschichten. Es besteht Lotsenpflicht. Zur Erledigung der Formalitäten werden Agenten angeheuert. Wie das genau läuft erschließt sich uns nicht. Anders als sonst müssen wir uns darum auch nicht kümmern, da RUSARC für uns alles organisieren wird. Wir nähern uns also etwas ahnungslos der Küste. Stellen als erstes fest, dass PETR 1 doch schon weitergefahren ist bis nach Murmansk. Unser Iridiumhandy klingelt, aber wir können nichts verstehen, am anderen Ende ein Rauschen sonst nichts. Evgeny schickt eine sms – wir sollen uns telefonisch melden. Na toll. Das klappt erst, als wir normalen Handynetzempfang haben. Elena gibt kurz Anweisungen durch: über VHF 16 bei „Radio 9“ melden, die seien informiert, ein Lotse für uns ist bestellt. Aber auf Kanal 16 herrscht Funkchaos. Alle quatschen durcheinander. Es gibt unzählige Meldepunkte und es ist kaum auszumachen wer gerade bei wem Meldung abgibt, auf Russisch und Englisch wild durcheinander. Irgendwann erreiche ich endlich „Radio 9“. Wir geben unsere Positionsdaten durch und die ETA für die Lotsenversatzstelle.

Wir passieren den Eingang zur Saidabucht. Zu sehen ist nichts. In der Saidabucht befindet sich ein riesiger U-Boot-Friedhof. Unter Projektleitung der EWN (Energiewerke Nord), die durch den Rückbau der Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg Erfahrungen haben, wurde hier ein riesiges Freilager für ausrangierte Atomreaktoren errichtet (Fertigstellung war im Sept. 2011). 150 Reaktorsektionen sollen hier konserviert, regelmäßig kontrolliert und gelagert werden. Frühestens in 70 Jahren können die Reaktorsektionen dann demontiert werden, wie es weitergeht muss man sehen. Gelöst ist die Entsorgungsproblematik auch hier nicht. Es ist gut zu wissen, dass einige dieser tickenden Zeitbomben nun nicht mehr in gesunkenen bzw. bald sinkenden Schiffswracks vor sich hin gammeln. Die internationale Gemeinschaft der G8 Staaten und auch Norwegen haben für die Beseitigung der militärischen Hinterlassenschaften viel Geld bereitgestellt, dass Russland gerne angenommen hat. Allein Deutschland hat 1 Mrd. € bei gesteuert, 600 Mio. € davon für dieses Projekt. Trotzdem ist das Gefahrenpotential noch immer riesig. Entlang der Kola-Halbinsel und anderswo liegen weitere gesunkene Wracks und abgebrannte Brennstäbe, die einfach ins Meer entsorgt wurden. Genaue Bestandslisten fehlen….

Zum Glück ist es ruhig und der Lotse schafft es, vom Lotsenboot aus im Vorbeifahren rüber zu springen. Der Lotse begrüßt uns freundlich, stellt sich gleich hinters Steuer und fragt nach unserer Maximalgeschwindigkeit. Mit 6 kn Marschfahrt ist er zufrieden, in drei Stunden werden wir da sein. Wir sind erleichtert, alles läuft glatt. Die nächsten Stunden sitzen wir an Deck, Essen Kekse, plaudern, machen Fotos. Die felsig kargen Ufern des Kal’skiy Zaliv ziehen an uns vorbei. Überall liegen rostende Schiffswracks, wir kommen an kleineren Ortschaften und Militärstützpunkten vorbei, an ausgemusterten Atomeisbrecher und Hafenanlagen.

Um 17:45 Uhr legen wir an. An einem Schwimmsteg, neben uns Schlepper und Arbeitsboote. Vor uns liegen die PETR 1 und CORIOLIS, eine größere Yacht aus Frankreich. Um uns herum Kräne über Kräne, Berge von Kohle, Schuppen, Gleisanlagen und Waggons. Wir befinden uns im Freihandelshafen. Der Lotse verabschiedet sich. Wir sind froh, angekommen zu sein, und es war gar nicht schlimm. Dan und Elena begrüßen uns erleichtert. Sie sind 9 Stunden vor uns eingelaufen, hatten aber viel Ärger und mussten endlose Telefonate führen. Ein besserer Liegeplatz war nicht zu bekommen. Telefonisch informieren wir unsere neue Crew (Jürgen und Helga), dass wir nun da sind. Am Hafeneingang wird unsere abgestempelte Crewliste deponiert. Jeder der hier rein oder raus will muss durch den Kontrollpunkt gehen und sich ausweisen. Man läuft gut 15 Minuten bis zum Eingang, quer übers Hafengelände, durch Matsch und Kohlestaub, über Gleisanlagen und an unzähligen Gebäuden vorbei.

Victor und Jürgen helfen mir, die Abgasleitung zu reparieren

Unser Aufenthalt in Murmansk ist kurz und unspektakulär. Samstag ein kurzer Ausflug in die Stadt, Sonntag ausschlafen, einkaufen und Reparaturarbeiten erledigen. Jürgen hat Ersatzteile mitgebracht und wir ersetzen die Bierdosen durch ein solides Verbindungsstück. Das soll und wird halten!

 

Bortscht-Contest

PETR 1 wird noch einige Tage bleiben und dann weiterfahren nach Kirkenes. Wir planen um 22 Uhr abzufahren. Bis Vardö sind es gut 120 sm und Dienstag früh geht unser Flieger, die Zeit drängt. Daniel regelt alles. Aber es kommt mal wieder anders. Um 18 Uhr heißt es auf einmal „Kola-Bucht ist wegen militärischer Übungen gesperrt, Abfahrt frühestens um 2 oder 3 Uhr morgen früh, alles ist ungewiss. Na toll. Gut daran ist, so denke ich, dass wir somit noch ausreichend Zeit haben für unseren Bortscht-contest. Wir laden die Franzosen mit ein und kurz vor Zehn sitzen und stehen 23 Personen auf der LUNA und kosten die Suppen. Der Smutje von PETR 1 hat einen richtigen Bortscht gemacht, wir haben uns an einem etwas exotischen Rezept mit Orange und Meerrettich versucht. Auch lecker, aber fleischlos, das kommt nicht gut an… Ich muss zugeben, dass das russische Original köstlich ist und klar gewinnt!

glückliche Gewinner

Mitten in unsere kleiner Party platzen die russischen Behörden. Schnell verschwinden alle von Bord der LUNA. Elena hält noch eine kleine Rede und erklärt uns zu den Gewinnern der Regatta. Dann wird es wieder erst und wir schwitzen mit Zoll und Emigration über den Papieren. Formulare werden ausgefüllt, Kopien gefertigt, gestempelt, telefoniert, Fragen über Fragen, Erklärungen, lange Gesichter. Ein großes Problem ist, dass Reinhard bei der Einreise in St. Petersburg Schiffsführer war und nun jemand anderes ausreisen will. Dass Ein- und Ausreise müssen von derselben Person gemacht werden müssen war selbst den RUSARC Leuten nicht bekannt. Es gab anscheinend auch in St. Petersburg Probleme bei der Ausreise der polnischen Yachten. Dan bewahrt Ruhe, redet, verhandelt und irgendwann werden die letzten Stempel auf das Abfertigungspapier geetzt. Geschafft! Der Rest klappt wieder reibungslos. Die militärische Übung wurde unterbrochen, wir können fahren. Diesmal ohne Lotsen. Um 23:52 gehen die Behörden von Bord. Uns wird nochmals unmissverständlich mitgeteilt, dass wird sofort abfahren müssen. Uli gibt Kommandos, ich umarme Dan und Elena noch schnell zum Abschied und um 5 Minuten vor 12 werfen wir die Leinen los. Alle winken, alles geht auf einmal so schnell! Russland ade, wir sind wieder unterwegs… Mit 7 kn eilen wir dem Meer entgegen.

Am Ausgang der Bucht setzen wir Segel. Es ist kein besonders schöner Segeltag, aber es ist mein letzter also genieße ich ihn trotzdem. Der Wind kommt mal kräftig, mal gar nicht aus allen Richtungen. Es regnet, es schaukelt und alle leiden irgendwie. Am Abend klart es endlich auf und Norwegen begrüßt uns mit etwas Sonne. Als wir Vardö erreichen leuchten in der untergehenden Sonne die Holzhäuser am Ufer in warmen bunten Farben.

Ansteuerung Vardö

Astrid

Wir reisen aus!

Um 22:00 Uhr startet endlich Bortscht-Contest. 23 Leute an Bord der LUNA, Russen, ein Ami, Franzosen und wir. Treffpunkt an Bord der kleinsten Yacht. 22:45 Uhr stehen Customs und Emmigration an der Pier. Damit ist die Party zu Ende.

Probleme über Probleme beim Erledigen des Papierkrams. Daniel, Elena und der LUNA-Stempel haben es irgendwie geschafft. Um 23:55 legen wir ab. Alle sind überrascht und erleichtert, dass es geklappt hat.

Jetzt motoren wir in die Nacht hinein den Kol’skiy Zalev in Richtung See herunter.

LUNA-Crew

6 Tage auf See

Auf den Seestrecken koennen wir meistens segeln. Auf FJL haben wir rund 350 sm zurueck gelegt, komplett unter Motor. Wind gab es eigentlich nur bei unserer Ankunft und immer mal kurz zwischendurch, zumeist wenn wir gerade nicht unterwegs sondern auf Drift waren. Aus dem hohen Norden kennen wir das nicht anders, es so hin zu nehmen faellt trotzdem schwer. Auf dem Weg nach Murmansk segeln wir also endlich wieder. Aber sobald wir zu langsam werden, wird der Motor angeschmissen. Wir wollen bzw. muessen ankommen. Die neue Crew wartet, wir wollen noch was von der Stadt sehen und muessen Sonntag Nacht schon wieder los. Von Norwegen aus werden Rolf, Heidi und ich zurueck fliegen, der Flieger wird nicht warten. Warten wird PETR 1 auf uns am Eingang des Kol’skiy Zaliv, der Zufahrt nach Murmansk. Notfalls wird sie uns abschleppen, das ist beruhigend. Unsere Abgasleitung haben wir nun zum vierten Mal geflickt. Ungewiss ist, wie lange es diesmal halten wird. Die Flickerei von der Swir hat durchgehalten bis Archangelsk. die dort ausgefuehrte Schweissarbeit hat bis hinter FJL gehalten. Dann jedoch ist das Flexrohr komplett abgerissen. Wir haben den Riss mit einer Bierdose (Baltica 0, ist alkoholfrei) zusammengeflickt und mit Auspuffpaste abgedichtet. Das hat mehr als 10 Stunden bestens gehalten und war dicht. Heute frueh ist die Blechdose dann doch gerissen. Uli hat nun 2 Doesen uebereinander montiert und wir sind optimistisch, dass es ausreichend lange halten wird.

Frueh um 3, da war noch alles in Ordnung, hat uns die PETR 1 eingeholt. Dan kommt zu uns an Bord, sieht sich den Schaden an und erkundigt sich grinsend, ob wir genuegend Bierdosen dabei haben. Vorsichtshalber gibt er noch einen Abgasschlauch von seiner Heizung auf die Luna rueber (ob der die Hitze ab kann ist aber unklar). Zur Feier unseres Treffens mitten auf der Barentssee trinken wir Whiskey und plaudern. Er hat auf FJL noch seinen Smutje ausgetauscht (ALTEREGO muss jetzt mit dem verschlissenen Deppen zurecht kommen). Nun hat Dan zwar seinen alten Koch wieder, aber keine Vorraete an Bord. Wir helfen gerne und kramen ein paar Buechsen aus der Bilge.

Die Tage hier draussen verschwimmen. Frueh frag Rolf, welcher Wochentag ist und ich muss eine Weile ueberlegen. Jeder Tag ist grau, die Sonne zeigt sich nur kurz. Immerhin werden die nebelfeien Abschnitte groesser. Die Wassertemperatur ist auf 6,4 Grad angestiegen, die Lufttemperatur auf 8 Grad. Trotzdem ist uns immer kalt und wir heizen viel. Die Ueberfahrt ist komfortabel, keine Frage. Weder Starkwind noch Sturm, so gut wie kein Regen. Hin und wieder Segelmanoever, mal ist zu reffen, dann wieder koennen wir ein paar Stunden den Blister setzen. Die Navigation ist denkbar einfach – ein Wegepunkt zur Ansteuerung von Murmansk – mehr als 700 sm geradeaus. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen, Hoerbuechern, Reparaturen und der Sorge ums leibliche Wohl. Bei Schraeglage zu kochen ist muehselig (alles muss festgehalten oder verkeilt werden), aber moeglich. Heute hat Uli Brot gebacken.

Schwierig war die Reise nach FJL im Rueckblick nicht. Wie so oft verliert sich der Schrecken, wenn man sich mit dem scheinbar unmoeglichen auseinander setzt. Verglichen mit den Entdeckern und den frueheren Polfahrern erleichtern uns die heutigen klimatischen Bedingungen (weniger Eis), bessere Ausruestung sowie die Moeglichkeiten moderner Kommunikation und Navigation unser Vorhaben ungemein. Was aber bleibt sind Kaelte, Strumgefahr, Eis, Abgeschiedenheit. Es ist nicht jedermans Sache, sich morgens eine Puetz 0 Grad kaltes Seewasser ueber Kopf und Koerper zu giessen. 8 Bft. ist zwar noch kein Sturm, aber dennoch war es saukalt und die Arbeit an den Segeln, nasses Tauwerk, eiskalte Gischt und das staendige Geschaukel sind einfach anstrengend. Beim Eis muss man immer auf der Hut sein. Hier haben wir von der Erfahrung der PETR 1 profitiert und konnten zudem auf aktuelle Eisinformationen vom Coast Staff (Evgeny in St. Petersburg) und Reinhard in Hamburg zurueck greifen. Was man nie vergessen sollte, hier draussen ist man alleine und auf sich gestellt. Geht was kaputt, muss man in der Lage sein es mit Bordmitteln zu reparieren. Und man muss alles was man braucht dabei haben. Unfaelle und Verletzungen duerfen gar nicht erst passieren. Auf beiden Uebrfahrten haben wir fern der Kueste abgesehen von PETR 1 andere Schiffe weder gehoert noch gesehen. Auf FJL haben wir drei touristische Schiffe getroffen, ueberraschend viele. Andere Schiffe zu treffen bedeutet Abwechslung. Die meiste Zeit hocken wir aber Tag und Nacht dicht aufeinander. Mal eben spazieren gehen und alleine sein gibt es nicht, drei Wochen lang.

Der allgegenwaetige Nebel hat sich gluecklichereise ab und an verzogen und den Blick auf Berge, Gletscher, Eis und das Meer mit seiner Weite preis gegeben. Es ist schoen, so viel Himmel und Horizont zu sehen, unverbauter Blick, den Wolken so nah. Auf FJL hat sich das Bild oft jede Minute geaendert, neue Inseln, anderes Licht, vorbeitreibende Eisberge. So was zu sehen und erleben zu koennen ist toll. Wann immer es was zu sehen gab, war alle Muedigkeit sofort vergessen. Das ewige Licht setzt in einem so viel Energie frei. All die Eindruecke zu verabreiten wird noch lange dauern.

Die Ueberfahrt ist sehr gut gelaufen. Donnerstag und Freitag segeln wir unter Vollzeug, 6-7 kn. PETR 1 ist schneller und bald schon wieder ausser Funkreichweite. Da es ruhig ist, gibt es wenig zu tun fuer uns, meist lassen wir Willy (die Aries) oder Elektro-Willy (den neuen Autopiloten) steuern. Man wird faul…. Samstag kommt Land in Sicht. Es ist schon der zweite nebelfreie Tag und es ist angenehm warm. Wir nehmen eine letzte Dusche mit der Puetz, 10° C warmes Wasser, sehr angenehm. Dann wird klar Schiff gemacht und alles geputzt.

Um 14 Uhr nehmen wir den Lotsen an Bord. PETR 1 ist doch schon voraus gefahren. Nach einigem Hin und Her (Funk- und Telefonverbindungen sind erst noch zu schlecht) ist klar wie es laufen wird. „Station 9“ regelt alles fuer uns. Wir geben ueber VHF unsere Position durch und die ETA fuer die Lotsen-Versatzstelle. Klappt bisher super. Der Lotse ist nett, steuert die Luna, plaudert mit uns, isst Kekse und trinkt Kaffee. Warum wir einen Lotsen haben muessen ist ihm auch nicht klar, sonst geht es wohl oft auch ohne.