Franz-Josef-Land ade!

Auf dem Weg nach Champ Is. herrscht dicker Nebel. Nachdem wir die vorausfahrende PETR 1 schon einmal verloren haben, bleiben wir nun dicht dran. Ohne GPS und Radar würde hier gar nichts gehen. Der Kompass zeigt immer etwa Nord an, egal in welche Richtung wir fahren. Vermute, dass er eingefroren ist oder so. Wenn man dann noch im Slalom um das Eis herum fährt ist es kaum möglich Kurs zu halten und die Orientierung zu behalten. Freue mich, als wir PETR 1 wieder gefunden haben und sie mit Hilfe ihrer elektronischen Karte uns bequem und sicher durch das undurchsichtige Weiss führen. Zeitweilig ist der Nebel so dicht, dass wir zu zweit Ausschau nach Eis halten müssen. Die kleinen Brocken machen dem Rumpf zwar nichts aus, aber es scheppert, wenn sie an der Bordwand entlang schrammen und ich habe Angst um den Propeller. Nach Wachende bleibe ich gleich auf, da wir eigentlich bald ankommen müssten. Wir fahren an der Südseite noch etwas auf und ab, warum auch immer.

Dabei stossen wir auf die vor der Küste ankernde “50 let Probedy”. Sie ist mit 124 Passagieren an Bord auf dem Rückweg vom Nordpol nach Murmansk und macht hier kurz stop. Wir lassen uns wieder treiben und fahren mit den Dinghys rüber. Obwohl es 5 Uhr früh ist (Bordzeit auf dem Atomeisbrecher ist 3 Uhr) stehen einige Gestalten an Deck und winken uns freudig zu. Gleich als erstes treffen wir Birgit Lutz, eine waschechte Poliarnitsa. Wir lesen gerade ihr Buch “Unterwegs mit wilden Kerlen. Eine Frau erobert die Arktis”. Ihr verdanken wir, dass wir kurzerhand eingeladen wurden. SIe zeigt uns das Schiff, wir schauen auf der Brücke vorbei, sagen dem Captain hallo und können duschen. Toll! In der Arktis freut man sich, andere Menschen zu treffen und hilft sich gegenseitig.
Zureck auf den Yachten geht es gleich weiter. Schlafen fällt diese Nacht damit aus für mich. Auf Champ Island schaün wir uns kugelrunde Steine, so genannte Geoden an. Ein interessantes, hübsch an zu sehendes Naturphänomen. Danach fahren wir nach Hayes. Im Wasser und an Land tummeln sich zahlreiche Walrosse. Beim übersetzen mit den Dinghys müssen wir vorsichtig sein. Es gibt dann etwas Diskussionen, da der Ranger uns nur auf einige Hundert Meter Entfernung an eine an Land liegende Gruppe Walrosse heran lassen will. Einige der Petr 1-Passagiere protestieren. Schliesslich wird abgemacht, dass Elliot, der Journalist etwas dichter heran darf und Aufnahmen macht, die er auch an uns weitergeben wird. Mir reicht der Blick aus der Ferne völlig aus, diese riesigen Tiere sind beängstigend.

Nächster Stop ist die Krenkelstation an der Nordostseite der Insel. 2001 wurde diese letzte zivile Station nach einem Brand geschlossen. 2004 wurde ein neues Gebäude errichtet und seitdem ist die Station dauerhaft mit 5 Personen besetzt, die hier Klimadaten erfassen. In Hochzeiten haben hier damals bis zu 200 Personen gelebt und gearbeitet. Jetzt macht der Ort einen traurigen Eindruck. Noch immer liegt viel Schrott herum, die alten Gebäude zerfallen. Entsetzt hören wir, dass es letztes Jahr im September einen tödlichen Unfall gab, als ein Eisbär nur 150 m vom Stationsgebäude entfernt einen Stationsmitglied bei der Arbeit angegriffen hat.

Am Abend fahren wir weiter zum Kap Tegetthoff auf der Hall Insel. Die Felsformationen sind beeindruckend. Eigentlich wollten wir hier etwas länger bleiben, doch Captain Daniel hat festgestellt, dass ihm die Zeit fehlt. Er muss mit dem Ranger erst nochmal in die Tykhaya Bay und dann nach Alexandraland. Wir wollen ohnehin von hier aus starten. Bis Ende der Woche wollen bzw. müsen alle in Murmansk sein. Wir verschieben also den geplanten Borschtsch-Contest (Orignal russisch auf Petr 1 und von mir ein Rezept mit Orangen, das wir in Berlin mal ausprobiert haben) auf Murmansk. Der geplante Landgang fällt dann auch noch aus, da an Land ein Eisbär gesichtet wird. Mit den Dinghys fahren wir dichter heran und machen Fotos. Der Bär liegt nun am Hang und schläft, trotzdem ist es besser ihm sein Revier zu überlassen. Alexander, der Ranger, sagt mir ich solle einfach nächstes Jahr wieder kommen. So ist das halt, er grinst.

Wir machen klar Schiff, tanken noch etwas Diesel und gegen 7 Uhr ist es so weit. PETR 1 bricht auf, wir lassen uns noch etwas treiben und frühstücken, fahren dann Richtung Süden. Schon bald können wir Segel setzen und gleiten nun gemächlich mit 4 kn durch den wie immer dichten Nebel. Draussen ist es kalt, in der Kajüte gut geheizt und gemütlich. Uli hat an meiner Stelle die erste Wache übernommen und ich habe endlich 3 1/2 Stunden geschlafen. Fühle mich nach einem leckeren Kaffee wie neu geboren.
Die Wetterprognose ist ganz gut. Zitat Reinhard: “Sturm und echten Starkwind wird es wohl nicht geben. Wahrscheinlich ist es am besten, den direkten Weg zu wählen und zig Stunden mt Motor zu fahren.” Wir können noch nicht direkten Kurs anliegen, aber immerhin segeln. Der Dieseltank ist fast voll und es liegen diesmal nur gut 700 sm vor uns. Wir freuen uns nun erstmal auf ein paar schöne Segeltage und stetig steigende Temperaturen.

Der Tag der Rekorde im Eis

Nachts um zwei starten wir Richtung Norden. Die Petr 1 hat Mike, den Kletterer wieder an Bord genommen.
An der Küste Jackson Islands lang geht es bei klarer Sicht weiter. Punkt 10 Uhr gehen wir in der Teplitz Bay vor der nördlichsten Station der Welt auf Rudolfa Island längseits an die Petr 1. Mittlerweile liegt alles im Nebel.
Der passt ganz gut zur Insel, der Strand ist vom Eis bedeckt, die Gletscher in der Bucht kalben mit entsprechendem Lärm. Der Landgang zur Station wird zügig gestartet. Schon das Anlanden mit den Schlauchbooten am vereisten Ufer bei leichtem Schwell gestaltet sich schwierig. Ansonsten ist vorsichtig geboten. Die Wahrscheinlichkeit auf Eisbären zu treffen ist diesmal recht hoch (Klappt zum Glück bzw. leider nicht.). Unsere Truppe bewegt sich vorbildlich geschlossen zur Station. Der Ranger mit Gewehr vorweg, Daniel mit Axt und Signalraketen bewaffnet hinterher. Wenn nicht gerade Eis und Schnee die Insel bedeckt ist das Granitgeröll spärlich mit Mosen und Flechten bewachsen. Es geht also noch karger als auf Jackson Island.
Die Station wurde erst 1995 aufgegeben. Früher hatte sie nicht nur als Wetterstation eine Bedeutung, sondern auch als Flugplatz. Hier konnten die Nordpolflüge noch einmal zwischenlanden und auftanken. Der Nordpol ist nur noch 900 km entfernt.
Wo die ehemalige Piste ist nicht mehr erkennbar. Die Häuser verfallen schnell, sie sind schneegefüllt und werden, bevor wir uns nähern dürfen jedes Mal überprüft. Es könnten sich Eisbären dort eingerichtet haben.
Mittags sind alle wieder zurück an Bord, die aktüllen Eisinformationen deuten darauf hin, dass wir bis 82 dg Nord mehr oder weniger eisfreie Bedingungen haben.
Bei Nebel und Flaute motoren wir nach NNE. Gelegentlich durch Eisschollen. Vorbei an skuril geformten Eisbergen. Bei der ruhigen See und Nebel eine unwirkliche Atmosphäre. Faszinierend, obwohl Sonne auch schön wäre.
Die Wassertemperatur sinkt auf -1,6 dg C, die Luft wird merklich kühler. Die Eisschollenfelder werden häufiger und dichter. Zum Glück driften sie mit 0,4 kn recht langsam nach SE. Mit 7 kn Fahrt geht es im Slalom durchs Eis, gelegentlich muss dieses mit langen Stangen zur Seite geschoben werden. Zur Abwechslung noch: Fototermine Petr 1 und LUNA mit Eis. Mike probiert sein Steh-Paddelboot aus. Der Spassfaktor ist hoch.
Um 15:19 Uhr Ortszeit überqüren wir bei 058 dg 50,2′ E den 82. Breitengrad. Und gönnen uns zur Feier des Tages einen halben Wiskey.
Um 19:11 dann die Entscheidung umzukehren. Das Eis wird dichter. Position 82 dg 18,2′ N 059 dg 04,3′ E.
Petr 1 hat sein Ziel erreicht: Der Rekord der SY Apostel Andrey vom letzten Jahr wurde übertroffen. Für uns auf der LUNA ist alles ab 80 Nord persönlicher Rekord. Wir geniessen es aber dabei zu sein.
Und ohne die Petr 1, die vorweg fährt mit ihrer Erfahrung wahrscheinlich eh kaum machbar. Die Wetter- und Eisbedingungen sind ja auch perfekt. Glück gehabt kann man nur sagen :-) , bedauerlich aber, dass es dem “Klimawandel” zu verdanken ist.
Leider fehlt die Zeit sich noch eine Weile im Eis herum zu treiben. Die Zeit bleibt hier regelrecht stehen, die Stimmung kann man nicht beschreiben. Warum es viele immer wieder ins Eis treibt ist nachvollziehbar.
Vor uns liegen jetzt noch eine “Nachtfahrt” unter Motor zurück Richtung Süden nach Champ Island, wahrscheinlich mit einigem Eis.
Rudolfa Island lassen wir westlich liegen. Damit haben wir die Insel umrundet, was letztes Jahr nicht möglich war.
Am 27.7. wird ab 6:00 Uhr Geburtstag gefeiert. Mit frisch gebackenem Kuchen, Blinis und Pfannkuchen zum Frühstück. Wir schaffen es noch den Dieseltank restlos leer zu fahren und bunkern von der Petr 1 nach.
Und bis Champ Island haben wir es immer noch nicht geschafft. Kletterstopp, SUP (Paddeln im Stehen) dauern halt auch. Wir sind hier auf der etwas anderen, voll organisierten bzw. spontanen Touristen-Tour!

Franz-Josef-Land

franz-josef-landHeute ist Donnerstag, es ist 1:30 frh. Wir driften seit 2,5 Stunden vor Kap Norvegia und warten. Gerade hat Rolf die Wache übernommen und sitzt im Cockpit. Ab und an Maschine einkuppeln, Schiff in Postion bringen, weiter treiben lassen. Ich nutze meine Standby-Wache, um endlich Fotos zu sichern und zu schreiben. Auf dem Herd köchelt Milchreis, wir werden uns später noch eine süsse Nachtspeise gönnen. Ich kann kaum glauben, dass wir erst seit 2 Tagen hier sind. Viel ist passiert, wir haben viel gesehen und schon wieder überhaupt nicht viel geschlafen.
Unser Aufenthalt in der Tikhaya Bay hat sich noch etwas hingezogen. Wir gehen bei der PROFESSOR MOLCHANOV längsseits, die inzwischen mit Touristen aus Archangelsk und unserem Ranger eingetroffen ist. Wir bunkern Diesel und Frischwasser und können duschen gehen. Welch unerwarteter Luxus. Heisse Duschen!!! Um 1 Uhr früh ist dann Landgang angesagt. Alexander, unser Ranger, führt uns durch die verlassene Polarstation. Ständig muss er uns ermahnen nicht zurück zu bleiben oder voraus zu laufen. Noch am Morgen waren hier 3 Eisbären und jederzeit kann hinter irgendeinem Fels oder den zerfallenen Häusern einer lauern.
Zurück an Bord legen wir gleich ab und fahren Richtung Norden. Abgesehen von kleinen Löchern ist es durchweg neblig. Wir bleiben dicht dran an PETR 1. Um halb 11 haben wir unser Ziel, Solsbey Island fast erreicht, aber zu viel Eis zwingt uns auf bessere Sicht zu warten. Bald schon kämpft sich die Sonne durch, es klart auf und um halb 12 haben wir Mys. Fishera erreicht. Wir gehen wieder längsseits an PETR 1 und lassen uns gemeinsam treiben. Hier wird nicht geankert, weil überall Eis umher treibt, das sich an der Kette verfangen und zu Problemen führen würde. Für uns ist das sehr bequem, da nur jemand auf PETR 1 Wache gehen muss, wir können schlafen oder Landgang oder was auch immer machen. Am Ufer steht eine senkrechte Felswand aus 250 m hohen Basaltsäulen. Hier will Mike klettern. Der Ami ist allein deswegen als Passagier auf der PETR 1 mitgefahren, um hier klettern zu gehen. Verrückt! Wir werden ihn für 3-4 Tage hier absetzen und auf dem Rückweg wieder abholen. So der Plan.
Das Wetter hat sich auch heute wieder prächtig entwickelt.Die Sonne scheint, der Nebel wabert etwas weiter weg rum und beeinträchtigt uns nicht. Elliot kommt auf die Idee zu baden. Eigentlich hatte ich eine Schwimmverabredung mit Captain Dan aber der winkt ab, will erst weiter nördlich rein. Also gut, Elliot macht den Anfang, ich hinterher und Alexej und Uli folgen. Das ist mein persönlicher Rekord, nie vorher war ich so weit nördlich und in so kaltem Wasser: -0,4dg C.
Dann geht es weiter Richtung Norden. Um 21 Uhr erreichen wir Kap Norvegia auf Jackson Island. Hier haben Nansen und Johannsen 1895-96 überwintert. Leider zieht bald Nebel heran. Trotzdem machen wir einen Landgang, Alexander ist sichtlich nervös. Aber wir haben Glück, die Sicht bessert sich bald wieder ,so dass wir Eisbären ausreichend früh bemerken können.
Als wir gerade weiter fahren wollen meldet sich Mike über das Iridium-Handy. Der Fels ist zu brüchig, es ist zu risikoreich dort zu klettern, er bittet darum abgeholt zu werden. Welch Enttäuschung! Es tut mir leid zu hören, dass er sei Vorhaben aufgeben muss. So viel Vorbereitung, so viel Aufwand und dann klappt es nicht. Aber Sicherheit geht vor, also sind wir alle erleichtert. PETR 1 bricht auf, ihn abzuholen, wir warten hier. Der Nebel kommt, verzeiht sich wieder. Ständig ändert sich die Aussicht, ich kann mich nicht satt sehen, langweilig wird es nicht. Um 3 Uhr früh werden wir weiterfahren, weiter Richtung Norden.

Ankunft Franz-Josef Land


Dienstag früh um 00:46 Ortszeit haben wir auf 80dg Nord die Ziellinie passiert. Zwei Stunden später erreicht uns erstmals wieder ein Funkruf von PETR 1. Welch Erleichterung, welch Freude die vertrauten Stimmen zu hören!

Wir erreichen Franz-Josef-Land bei Nacht und Nebel. Es ist zwar hell, aber das hilft nicht viel. Wir sehen nichts, auch das Radar spuckt lange kein Echo aus. Wir passieren Kap Flora. Bald darauf reisst der Nebel kurz auf und gibt einen ersten Blick auf die Eiswüste frei. Dann ist wieder dicke Suppe um uns herum. Mit 2 Reffs preschen wir bei 5-6 Bft. voran. Erst nach und nach lichtet sich hier und da der Nebel. Gerade rechtzeitig, denn es kommt uns immer mehr Treibeis entgegen. Wir segeln an Northbrook Island vorbei, durch den Britannia Kanal Richtung Gukera Island. Bis wir zum Treffpunkt in der Tikhaya Bay (Silent Bay) auf Gukera Island gelangen, dauert es jedoch noch Stunden.

Um 8 Uhr endlich treffen wir PETR 1. Ein lautes HELLO mit Signalhörnern und winken. Wir fahren hintereinander etwas in die Bucht hinein, dann kommt über UKW die ersehnte Aufforderung längsseits zu gehen. Kurz darauf sitzen wir im Salon der PETR 1, trinken Tee, Kaffee, Cognac, essen ein frisch gebackenes, noch heisses “Brotexperiment” und erzählen uns von den letzten Tagen.

Wir werden hier noch bis zum Abend bleiben. Dann soll der Guide vom Nationalpark kommen und wir starten gemeinsam unsere Rundfahrt durch die Inselwelt.

Inzwischen scheint die Sonne, wir lassen uns am Rubin Rock vorbei treiben und bestaunen Tausende an den Basalthängen sitzende Vögel. Und wir sind einfach glücklich, heil angekommen zu sein in diesem arktischen Paradies.

Volle Fahrt nach Franz-Josef Land


Sonntag, 22.7.2012
Wir geniessen den Luxus einer geheizten Kajüte. Bei Nebel, Feuchtigkeit und 5 Grad Lufttemperatur besonders angenehm. So langsam ist das Schiff auch wieder trocken gelegt.Das hebt eindeutig die Stimmung, Temperaturen über 12 Grad unter Deck.
Nach der etwas stürmischen Nacht mussten wir leider feststellen, dass die Heizung nicht läuft. Erster Verdacht, zuwenig Diesel im Tank war leider nicht die Ursache.
Damit war die aufwendige Nummer angesagt: Ausbau der Batterien, um an die Kraftstoffleitung, Pumpe und Filter zu kommen.
Samstag Abend war die See ruhig genug. Verdreckten Filter gewechselt und gefühlte 100 Startversuche später immer noch keine Heizung. Also Backskiste leeren, ganz unten die Heizung freilegen. Dieselleitung leicht geknickt vorgefunden.
Und: Endlich startet der Brenner. Endgültige Ursache unklar, Dauer der Aktion vier Stunden. Hoffentlich hält die Heizung die nächste Zeit durch. Bisher lief sie absolut zuverlässig und wurde natürlich entsprechend wenig gewartet.
Ansonsten haben wir perfekten Segelwind. Seit Freitag früh hat der E bis SE Wind sich gut bei 3 bis 6 Bft gehalten.
Etmal Freitag 142,5 sm
Etmal Samstag 151 sm (für Astrid das erste Tagesetmal über 150 sm, ULI hatte schon mehrmals das Vergnügen)
Etmal heute vermutlich über 110 sm
Peter 1 ist ca 130 sm vor uns. Damit haben wir noch Siegchancen!!!
Die grosse Genua steht seit zwei Tagen, meistens steuert Willy (Aries) ausreichend gut. Die Tage gleiten so dahin. Tag- und Nachtzeiten sind dank Wachen kaum zu unterscheiden. Frühstück und Abendessen geben Orientierung. Heidi kommt mit den Wochentagen nicht mehr hinterher.
Unser Zeitgefühl bekommt einen ganz anderen Takt. Drei Stunden Wache vergehen wie im Flug. LUNA dabei zuzusehen, wie sie flott durch das herrlich hell- oder auch tiefblaue Wasser (je nach Sonne) gleitet, davon kann ich nicht genug bekommen. Wichtigstes Diskkussionsthema: Was und wann gibt es zu Essen.
Zeit zum Lesen bleibt leider kaum. Dabei habe ich so viele Bücher dabei.

Langsam steigt die Spannung. Bei 80 Grad N liegt die Ziellinie der Regatta. Wer war schneller?
Und ganz wichtig: Noch 150 sm bis zu den ersten Inseln, z.B. Ostrov Nortbruk oder auch Northbrook. Von dort aus geht es nach Hooker Island in die Tikhaya Bay, vereinbarter Treffpunkt mit Peter 1. Der Nebel verschwindet hoffentlich noch, sehen wollen wir ja schon die Inseln (abgesehen von den Sicherheitsaspekten). Eis ist bis auf wenige kleinere Eisberge und Eisschollen ab 81 Grad N nichts gemeldet.
Die Nacht von Montag auf Dienstag wird für uns spannend. Und die folgende Woche. Wie weit in den Norden schaffen wir es? Fahren durch Eis wird ein Erlebnis. Nicht zu vergessen die Inseln.

Nach dem Sturm

“Das von Uli herbeigesehnte Tief ist gekommen. Mit ganzer Wucht. Wir haben mehr Wind bekommen als nötig. Um das Tief optimal nutzen zu können hätten wir uns weiter nordöstlich, kurz vor Nowaja Semlja befinden müssen. Aber wir waren ja wie gesagt zu langsam… Freitag hatten wir dann stürmischen NE-Wind und E Strömung so dass wir entweder Richtung SE (also gefühlt zurück) oder Richtung NW (dort mehr Wind und Regen) segeln konnten. Bei der sich aufbauenden See sind wir dann fast auf der Stelle gekreuzt. Alles wenig hilfreich wenn man eine Regatta fährt und ohnehin dringend aufholen müsste. Schön war das nicht. Alles nass, Heizung geht nicht, Wind bei 8 Bft (Bön bis 9 Bft), See geht ständig übers Deck, Bilge voll Wasser (woher? Problem trotz diverser Verbesserungen leider immer noch nicht behoben.). Wer nicht auf Wache ist schläft. Küche bleibt bis auf Tee kalt, wir schonen unsere Vorräte.
Reinhard versorgt uns aus Hamburg mit Wetterinformationen und Empfehlungen (vielen Dank!), vom Rusarc Shore Staff bekommen wir ebenfalls Wetterdaten und Standortinformationen der PETR 1.

Gegen Mitternacht lässt der Wind endlich nach. Schnell können wir das Starkwindsegel gegen die Fock wechseln und nach und nach ausreffen. Der Wind dreht auf Ost, wir nehmen Fahrt auf und rauschen mit bis zu 7 kn durch die noch immer hohe See. Am Morgen reisst der Himmel auf. Sonnenschein! Das Wasser leuchtet hell blau, schöner als in der Karibik. Die Lethargie weicht, gute Laune verbreitet sich bei allen. Wir sind jetzt auf 72dg 25′N, bis FJL liegen noch immer rund 500 sm vor uns.

Die dritte Nacht

Jetzt sind wir schon drei Naechte unterwegs. Um 3:00 Uhr Ortszeit haben wir das Kap Mys Kanin Nos passiert und damit das Weiße Meer verlassen.
Vor uns liegen 700 sm Barentsee bei hoffentlich gutem Segelwind. Bisher laeuft es wie meistens, wenn wir im hohen Norden unterwegs sind: Kaum Wind wo LUNA ist.

Position von Peter I

Grosse Genua oder Blister, motoren bei Fahrt kleiner 2 kn. Dafuer ist es angenehm warm. Wir hoffen auf das naechste Tief. Und geben die Hoffnung auf einen zweiten Platz der Regatta nicht auf. Vereinbart ist ein Motoranteil kleiner 25 Prozent, uns wurde ein Handycap von 25 Prozent zugestanden. Vor der Rueckfahrt ab 28.7. ankommen wollen wir natuerlich auch noch.

Unser Bordleben geht seinen geregelten Gang. Nicht nur Heidi freut sich ueber den Autopiloten. Wale, Robben, gelegentlich Moewen und natuerlich Baumstaemme und Mitternachtssonne, Zeit zum Lesen und See betrachten.

Was fehlt: Demnaechst Schokolade, wie wir gestern feststellen mussten. Der Vorrat 10 Tafeln ist einfach zu klein.

Barentsee

Abfahrt war fuer Sonntag 18:00 Uhr geplant. Kurz nach halb 11 geht es dann endlich los. Wir sind zu viert, die polnischen Yachten und NIKA starten erst Montag. Kurz nach Mitternacht legen wir nochmal an, damit MANTA und No. 7 ausklarieren koennen. Wir sitzen endlich mit Dan und Elena zusammen und machen Regattabesprechung. Die Voraussetzungen sind schlecht. Ein riesiges Sperrgebiet von Novaja Semlja bis Franz-Josef-Land schränkt den Seeraum ein. Wir werden also geradeaus fahren und nicht viel Rücksicht auf die Wetterlage nehmen koennen. Egal, denn die Wetterberichte sind eh nie verlässlich. Um 04:35 ist es dann soweit. Kurz vor der Ansteuerungstonne gehen die Segel hoch und wir starten. Voellig unspektakulaer, langsam, zu langsam geht es los. PETR 1 braucht einige Zeit bis der Spi steht, zieht dann aber zuegig an uns vorbei. Wir setzen den neuen Blister und geben unser bestes um hinterher zu kommen. Rund 900 sm liegen bis zur Ziellinie auf 80dg Nord vor uns!

Next Stop Franz-Josef-Land

Das Abenteuer beginnt…

Sonntag, 15. Juli. Heute geht es los. Der Wecker klingelt früh um 6. Wir trinken mit Till noch einen Kaffee, dann fährt er mit dem Taxi zum Bahnhof und fliegt ab. Ich dusche im Hotel bei Jana und Kerstin, die dann auch zum Flughafen aufbrechen. Noch ein Abschied… Der Tag geht schnell rum. Alle Yachten sind beschäftigt, überall wird geräumt und gewerkelt. Heidi geht nochmal einkaufen, wir checken alles durch, sortieren die Seekarten, stecken die Route ab, holen Wetterdaten, bunkern erst Wasser, später kommt der Dieselwagen. Wir müssen etwas basteln, um den Befüllschlauch so herzurichten, dass wir damit überhaupt tanken können. Bis alle Yachten versorgt sind ist es schließlich kurz vor acht. Abfahrt so­llte eigentlich um 18 Uhr sein… Egal, die Sonne scheint und langweilig wird uns nicht, irgendwann wird es schon los gehen.

Vor uns liegen von der Ansteuerungstonne Dwinamündung aus gerechnet bis nach Franz-Josef-Land rund 900 sm. Wir werden zunächst in den Nordwesten nach Zemlya Aleksandry zur Station Nagurskoje fahren. Hört sich doch gut an, genau so werden wir es machen – los fahren, unterwegs sein, schon mal etwas frieren und ankommen! Die Eiskarte zeigt quasi freies Wasser. Okay, das kann sich ändern. Trotzdem sind wir ersteinmal optimistisch. Die Wetterprognose ist auch gut. Keine Stürme, hier und da Schwachwind. Die Herausforderung wird also sein, die Flautenecken zu umfahren. Schließlich wollen wir schnell ankommen und das Race gegen PETR 1 gewinnen. Und wir wollen natürlich so viel Zeit wie möglich auf den Inseln verbringen.

Drückt uns die Daumen! Ahoi!

 

 

 

Solovki – Archangelsk

Die letzte Etappe steht an. Die Wetterprognose ist okay. Erst werden wir etwas Wind aus S oder SE haben, später dreht er auf West und schläft dann ein. Wir haben also nichts zu befürchten, außer weiteren endlosen Motorstunden. Nach einem kurzen Captain’s briefing kurz vor 5 geht es los. Wir segeln an den Haseninseln vorbei, können nahezu anliegen und genießen den Abend auf See. DAR PUCKA bleibt in der Nähe, wir haben abgesprochen, dass wir zusammen segeln und über das Flach südlich der Zhizhginskiy Insel gehen. Die meisten anderen Yachten motoren und verschwinden bald am Horizont. Die elegante NIKA segelt flott voraus und hängt uns wie erwartet ab. Wir halten fleißig Ausschau nach Belugas, leider zeigt sich keiner. Wir sehen einige Robben, die uns ihre Köpfe neugierig entgegen recken und dann wieder abtauchen. Um halb 10 schläft der Wind plötzlich ein, kommt aus entgegengesetzter Richtung wieder, das Wasser kabbelt. Es ist soweit, der Gezeitenstrom ist gekentert und zwingt uns den Motor an zu schmeißen. Wir befinden uns südlich von Boschoi Muksalma, einer der größeren Inseln der Solowetski-Inseln, und sind einfach zu spät dran. Nun müssen wir gegen 1,5 kn Strom gegenan motoren. Schade. In den nächsten Stunden wechseln wir regelmäßig unseren Antrieb. Genua hoch, Motor aus. Dann alles wieder retour unter weiter unter Motor und Groß. Alles immer in Absprache mit DAR PUCKA. Bei ausreichend Wind können wir mithalten, bei Schwachwind fallen wir zurück und holen später unter Motor wieder auf. Am nächsten morgen ab 10:30 Uhr ist Schluss mit Wind, die nächsten 14 Stunden wird motort.

Wir haben bestes Wetter, Sonne satt. Ich motiviere die Crew zum Großreinemachen. Luna wird innen und außen gesäubert und gewienert. Till putzt akribisch all den Ruß von Wänden, Schränken und Decke, den unserer super Kocher (Schweizer Qualitätsprodukt) Tag für Tag verbreitet. Anschließend gibt es ein wohlverdientes verspätetes Mittagsessen. Der Tagesrhythmus ist schon seit langem hin, also wird gegessen wenn wir Hunger haben bzw. Zeit zum Kochen ist. Für den kleinen Hunger Zwischendurch können wir auf unser unerschöpfliches Reservoir an Trockenfrüchten und Nüssen zurück greifen.

Am Nachmittag holen wir auf und die Flotte findet sich langsam wieder zusammen. Gemeinsam mit den Polen, Norwegern und Finnen erreichen wir die schon wartenden PETR 1, NIKA und OPERON. Um 18 Uhr geht es weiter und wir folgen PETR 1 die Dwina hinauf. Das Flussdelta ist weit verzweigt, die Zufahrt nach Archangelsk geht über den nordöstlichen Arm. 30 sm liegen vor uns. Zuerst kommen wir bei noch ablaufendem Wasser schlecht voran. Aber das macht nichts, denn zu sehen gibt es genug. Erst noch Natur, grüne Ufer und Weite. Dann immer mehr Häuser und Vororte, Industrie, viele Ruinen, Kaianlagen aber auch Lagerfeuer mit winkenden Leuten am Ufer. Die Abendstimmung ist mal wieder überwältigend, blutrot kitschiger Sonnenuntergang. Es dämmert leicht, Nacht gibt es hier nicht mehr. Gegen Mitternacht haben wir unser Ziel erreicht, um 00:35 liegen wir längsseits an der Pier in einem ziemlich neuen Hafenbecken, zentral, unweit der Uferpromenade. Diesmal gibt es keine große Party. Einige Crews gehen gleich schlafen, andere ziehen noch in die Stadt. Wir genießen ein verdientes Anlegebier und quatschen noch mit den Franzosen von der Petr 1.

Freitag morgen habe ich verschlafen. Mein Wecker hat nicht geklingelt und so muss das mit Till verabredete Jogging ausfallen. Wir frühstücken, werden langsam wach und schon startet das Programm. Um 11 Uhr ist Closing Ceremony für den ersten Teil der Regatta. Danach ein kurzer Spaziergang durch die Stadt, etwas essen, dann Sail Parade. Bei uns mit an Bord sind 3 Liason Officer und das Kamerateam von Petr 1. Nach dem Ablegen muss ich ein Interview geben und während der Parade filmen sie von der Luna aus die anderen Yachten. Wir haben guten Segelwind und alle Yachten kreuzen vor der Silhouette der Stadt auf und ab. Wieder zurück wird schnell aufgeklart und die Crew bricht auf zur Exkursion zum Freilichtmuseum „Maly Karelia“. Ich trinke an Bord der MANTA Kaffee, wir quatschen etwas und nun ist endlich Zeit den Blog zu aktualisieren. Um 19 Uhr stehen noch Dinner und Abschlussparty auf dem Programm. Um 22:40 wird dann Uli mit der neuen Crew landen. Samstag stehen Reparaturarbeiten und Verproviantierung an. Und Sonntag soll es schon weitergehen. Teil 2 des Adventure Race 80dg steht bevor und langsam werde ich etwas aufgeregt….